Konzept

1. Ausgangslage

Obdachlosigkeit wird mit einer akuten Notlage in Verbindung gebracht. Denn ohne Wohnung zu sein unterschreitet einen allgemein anerkannten Lebensstandard: insbesondere Bedürfnisse nach Sicherheit und Schutz, Erholung und Intimität können nicht oder nur eingeschränkt befriedigt werden. Obdachlosigkeit wird sowohl als unfreiwilliger Ausschluss wie auch als freiwilliger Rückzug aus der Gesellschaft verstanden. Obdachlosigkeit ist eine gravierende Form von Armut, die in besonderem Masse zu sozialer Vereinsamung, körperlichem Elend und gesellschaftlichem Ausschluss führt. Obdachlose Menschen sind abhängig von anderen Menschen, bestehende gesundheitliche Probleme bleiben oder verschlimmern sich.

Im Kanton Thurgau müssen, gemäss 40 SPG – kantonalem Sozialhilfe-und Präventionsgesetz – die Gemeinden selbst oder gemeinsam mit anderen Gemeinden Notunterkünfte für Menschen, welche von Obdachlosigkeit bedroht sind, zur Verfügung stellen. Dies wird von den zuständigen Sozialämtern auch gewissenhaft erfüllt. Die anspruchsvollen Problemlagen und Betreuungsbedürfnisse der Menschen erfordern allerdings mehr als nur ein Obdach. Es braucht einen Ort, an dem Menschen Unterstützung erhalten für drängende Probleme, Triagieren und Vermitteln von Kontakten zu weiteren Institutionen und ambulanten Einrichtungen.

Zudem braucht es dieses «kurzfristige, unbürokratische und feste Obdach», das auch nach den Gemeindeöffnungszeiten oder an den Wochenenden Menschen in Not zur Verfügung steht. Es gibt immer wieder Menschen, welche aus verschiedensten Gründen kurz- oder längerfristig auf eine Notunterkunft angewiesen sind: Wohnungskündigung, Familienkrisen, häusliche Gewalt etc. Oft hilft hierbei eine kurzfristige, aber auch bezahlbare Entlastung – oder eine Art Time Out zwischen den Betroffenen. Diese Menschen brauchen als Übergangslösung eine schnell und günstig zur Verfügung stehende Wohnmöglichkeit.

 

2. Verein Notherberge Thurgau

Der Verein «Kirchliche Notherberge TG» wird als kirchliche Organisationim November 2020 gegründet. Es gilt das Vereinsstatut.

 

3. Zielgruppe

Das Angebot der Notherberge Thurgau richtet sich an Menschen ab dem 18. Lebensjahr in akuten Krisensituationen oder dauerhafter Obdachlosigkeit. Zugänglich ist die Notschlafstelle in erster Linie für im Kanton Thurgau wohnhafte und zumindest aber in der Schweiz angemeldete Menschen. Asylbewerber/innen und Ausländer/innen ohne Wohnsitz in der Schweiz können für längstens zwei Übernachtungen aufgenommen werden. Die Notherberge Thurgau vermietet bis zu fünf Zimmer mit Küche und Bad an Einzelpersonen oder Familien, welche von Obdachlosigkeit bedroht sind. Dieses Mietverhältnis wird in einem Vertrag geregelt. Die Mietdauer ist auf längstens 89 Tage beschränkt. In den Räumlichkeiten der Notschlafstelle Thurgau steht ein grosser Aufenthaltsraum mit angrenzender Küche zur Verfügung.

 

4. Ziele

Ziel ist es, dass Menschen in Not ein unkompliziertes, kurzfristiges Dach über dem Kopf und eine fachgerechte Betreuung erhalten. Menschen in Notlagen, die sehr kurzfristig ein Obdach brauchen, können angesprochen, bei drängenden Problemen beraten und weiter triagiert werden. Personen, welche übergangsweise eine einfache Wohnung benötigen, können längstens 89 Tage ein Zimmer zu günstigen Konditionen mieten.

 

5. Grundhaltung / Leitsätze

Wir orientieren uns an der Lebenswelt der Gäste und wollen im Rahmen unseres Angebotes auf sie eingehen. Dabei sind wir bestrebt, ihre Fähigkeiten zur Lebensbewältigung und –gestaltung zu stärken und zu fördern. Die christlichen Werte bestimmen unser Handeln.

 

6. Angebot

  • Übernachtung für längstens drei Nächte mit der Möglichkeit, sich ein warmes Frühstück zu bereiten
  • Vermittlung von Beratungsgesprächen durch externe Unterstützungsangebote
  • Kochgelegenheit
  • Möglichkeit zur Körperpflege
  • Möglichkeit zum Kleiderwaschen und trocknen
  • Kleine medizinische Grundversorgung durch die Hausapotheke
  • Nutzung des kostenfreien Wlan
  • Miete eines Zimmers bei drohender Obdachlosigkeit (bis zu 3 Monaten)

 

7. Aufnahmebedingungen

  • Bezahlung der Übernachtungsgebühr
  • Bereitschaft zum Einhalten der Hausordnung
  • Vorlegen eines Ausweises

 

8. Ressourcen

8.1 Personal

Für das Team der Notherberge Thurgau stehen eine Koordinatorin und eine Hauswartin zur Verfügung. Freiwillige Mitarbeiter/innen unterstützen das festangestellte Personal.

 

8.2 Finanzen

Die Finanzierung der Notschlafstelle Thurgau erfolgt an erster Stelle durch den Verein. Der Verein ist somit Betriebsträger und Personalverantwortlicher. Die Mitglieder des Vereines errichten die dazu nötigen Strukturen und schliessen gegebenenfalls Leistungsverträge mit den zuständigen kantonalen Stellen ab.

 

9. Versicherung und Zusammenarbeit

Die Notherberge Thurgau arbeitet mit den kantonalen Sicherheitskräften, Beratungsstellen und der städtischen Feuerwehr und Polizei zusammen. Die zuweisenden Stellen wie Sozialdienste, Gemeinden, Kirchgemeinden werden allumfassend über das Angebot informiert. Der Verein «Kirchliche Notherberge Thurgau» versteht sich als christliches Hilfswerk, welches kompetent, professionell und auf dem Boden der kantonalen Gesetzgebung seine Angebote offeriert.

 

Weinfelden, Februar 2021

Copyright 2021 Kirchliche Notherberge Thurgau. Alle Rechte vorbehalten.